Power Purchase Agreement (PPA) – Energie langfristig sichern

Olivia Matondo
3.4.2025

Ein Power Purchase Agreement (PPA) ist eine langfristige Strombezugsvereinbarung zwischen einem Stromerzeuger und einem Abnehmer. Unternehmen profitieren von PPAs, da sie Planungssicherheit bei Energiekosten bieten und den Umstieg auf erneuerbare Energien erleichtern. Doch welche Arten von PPAs gibt es, welche Vor- und Nachteile bringen sie mit sich, und wie können Unternehmen sie erfolgreich einsetzen? Dieser Artikel liefert alle Antworten.

Wichtige Fakten zu PPAs

  • Langfristige Verträge sichern stabile Strompreise und reduzieren Marktrisiken, was besonders für Unternehmen mit hohem Energieverbrauch attraktiv ist.
  • Verschiedene PPA-Modelle: Physische PPAs ermöglichen die direkte Stromlieferung, während synthetische PPAs finanzielle Absicherung bieten.
  • Vorteile für Unternehmen: Unternehmen profitieren von geringeren Energiekosten, stabilen Preisen und einer verbesserten Nachhaltigkeitsstrategie.
  • Herausforderungen: PPAs sind komplexe Verträge mit langfristigen Bindungen und erfordern eine detaillierte Planung sowie juristische Expertise.

Was ist ein Power Purchase Agreement (PPA)?

Ein Power Purchase Agreement (PPA), oft auch als Green PPA bezeichnet, oder auf Deutsch "Stromkaufvereinbarung" ist ein meist langfristiger und auf erneuerbaren Energien – wie Wind- oder Solarenergie – basierender Stromliefervertrag zwischen einem Stromerzeuger (Verkäufer) und einem Stromabnehmer (Käufer).

Der Vertrag regelt detailliert die Bedingungen für den Kauf und Verkauf von Strom, einschließlich Preis, Laufzeit, Liefermenge und Qualitätsstandards. PPAs bieten beiden Parteien Planungssicherheit: Erzeuger sichern ihre Einnahmen langfristig ab, während Abnehmer von stabilen Strompreisen profitieren und gleichzeitig ihre Nachhaltigkeitsziele unterstützen können.

Arten von Power Purchase Agreements

Je nach Unternehmensstruktur und Energiebedarf gibt es unterschiedliche PPA-Modelle. Die Wahl des richtigen Vertrags hängt von den individuellen Anforderungen ab.

Physische PPAs (Physical PPAs)

  • On-Site PPA: Hierbei wird der Strom direkt auf dem Betriebsgelände des Unternehmens erzeugt, beispielsweise durch eine Photovoltaikanlage auf dem Firmendach. Dies reduziert Netzgebühren und macht das Unternehmen unabhängiger vom öffentlichen Stromnetz.
  • Off-Site PPA: Der Strom wird an einem anderen Standort produziert und über das öffentliche Netz an den Abnehmer geliefert. Dies ermöglicht es Unternehmen, Strom aus erneuerbaren Energiequellen zu nutzen, auch wenn sie keinen Platz für eigene Anlagen haben.
  • Sleeved PPA: Ein Energieversorger übernimmt als Vermittler die Abwicklung der Stromlieferung, sorgt für die notwendige Infrastruktur und sichert den reibungslosen Ablauf der Transaktionen. Dies kann administrativen Aufwand reduzieren.

Synthetische PPAs (Virtual PPAs)

Bei den virtuellen PPAs, auch synthetische PPAs genannt, sind der physische Stromfluss und die finanziellen Stromflüsse voneinander entkoppelt.Der Verbraucher bekommt zwar die vereinbarte Strommenge zum vereinbarten Preis. Der Strom kommt aber nicht zwangsläufig auch direkt aus der erzeugenden Anlage, was virtuelle PPAs in der Gestaltung flexibler macht als pyhsische PPAs.

Weitere PPA-Typen

  • Corporate PPA: Ein Corporate Power Purchase Agreement, kurz CPPA, beschreibt ein PPA mit einem verbrauchenden Unternehmen als Abnehmer.
  • Merchant PPA: Bei diesem Modell verkauft der Erzeuger den Strom direkt auf dem Markt ohne langfristige Abnahmevereinbarung.

Vorteile eines PPA für Unternehmen

PPAs bieten Unternehmen zahlreiche wirtschaftliche und strategische Vorteile.

Kostensicherheit

Ein langfristiger Stromliefervertrag bietet fixe oder vorhersehbare Preise, die Schwankungen auf dem Energiemarkt entgegenwirken und die Planbarkeit der Energiekosten verbessern. Unternehmen können damit langfristige finanzielle Risiken minimieren und besser kalkulieren.

Nachhaltigkeitsstrategie

Durch den Bezug von Strom aus erneuerbaren Energien können Unternehmen ihre CO2-Bilanz verbessern und gesetzliche sowie freiwillige Nachhaltigkeitsziele erreichen. Dies ist besonders relevant für Unternehmen, die auf klimafreundliche Produktion setzen und ihre ökologische Verantwortung wahrnehmen wollen.

Unabhängigkeit von Strommarkt-Schwankungen

Unternehmen minimieren das Risiko steigender Energiepreise und sichern sich gegen Preisspitzen am Strommarkt ab. Ein PPA sorgt für eine planbare und stabile Energieversorgung, was besonders für energieintensive Branchen von Vorteil ist.

Attraktive Finanzierungsmöglichkeiten

PPAs erleichtern Investitionen in neue Photovoltaik- und Windkraftanlagen, da sie langfristige Abnahmegarantien für Stromerzeuger schaffen. Dadurch erhalten Investoren mehr Sicherheit, was die Finanzierung von erneuerbaren Projekten begünstigt.

Herausforderungen und Risiken von PPAs

Obwohl PPAs viele Vorteile bieten, gibt es auch einige Herausforderungen, die Unternehmen berücksichtigen sollten.

Langfristige Bindung

Ein PPA-Vertrag kann eine Laufzeit von 10 bis 20 Jahren haben. Unternehmen sollten prüfen, ob sie sich langfristig auf einen festen Stromlieferanten festlegen möchten. Ein Ausstieg aus einem PPA kann schwierig sein und finanzielle Konsequenzen haben.

Vertragskomplexität

PPAs erfordern detaillierte juristische und wirtschaftliche Expertise, da sie individuelle Preisstrukturen, Laufzeiten und Risikoabsicherungen enthalten. Eine fundierte Beratung ist daher empfehlenswert, um mögliche rechtliche Fallstricke zu vermeiden.

Erzeugungsrisiken

Da erneuerbare Energien wetterabhängig sind, kann die tatsächliche Stromproduktion schwanken. Ein Vertrag sollte Regelungen für eventuelle Unter- oder Überproduktion enthalten, um unvorhersehbare Risiken zu minimieren.

Regulatorische Unsicherheiten

Gesetzliche Rahmenbedingungen können sich ändern, was Auswirkungen auf bestehende PPAs haben kann. Eine regelmäßige Prüfung der rechtlichen Entwicklungen ist notwendig, um auf mögliche Anpassungen vorbereitet zu sein.

Für welche Unternehmen lohnt sich ein PPA?

PPAs sind nicht für jedes Unternehmen gleich sinnvoll. Bestimmte Unternehmensgruppen profitieren besonders von dieser Vertragsform.

Produzierende Unternehmen mit hohem Energiebedarf

Industriebetriebe mit einem hohen Stromverbrauch können durch PPAs langfristig Energiekosten senken und sich von volatilen Marktpreisen unabhängig machen. Dies sichert ihre Wettbewerbsfähigkeit und reduziert langfristige finanzielle Risiken.

Filialisten mit Nachhaltigkeitsstrategien

Einzelhandelsketten und Unternehmen mit vielen Standorten können durch PPAs ihre nachhaltige Stromversorgung zentral steuern und einheitliche Strompreise sichern. Dies erleichtert die Umsetzung von Nachhaltigkeitszielen.

Unternehmen mit Klimaneutralitätszielen

Viele Firmen setzen sich das Ziel, bis zu einem bestimmten Jahr klimaneutral zu werden. PPAs sind eine Möglichkeit, große Mengen an Ökostrom langfristig zu sichern und Umweltauflagen zu erfüllen.

Großverbraucher, die sich gegen Preisschwankungen absichern möchten

Unternehmen, die großen Wert auf Planungssicherheit bei Energiekosten legen, können durch PPAs Marktpreisrisiken reduzieren und eine stabile Energieversorgung sicherstellen.

Was sollte vor Abschluss eines PPA bedacht werden?

Bei der konkreten Ausgestaltung von PPAs gibt es große Unterschiede, nicht nur im Hinblick auf die zugrunde liegende Erzeugungstechnologie – Wind oder Solar, Neuanlagen oder Altanlagen – sondern auch in Bezug auf die Preisgestaltung und die Laufzeit der Verträge.

Die Form der Stromlieferung

Eine wesentliche Frage ist, welche Form der Stromlieferung vereinbart wird. Dabei gibt es grob drei Varianten:

"as-produced": Der Abnehmer erhält exakt die Strommengen, die die betreffende Anlage produziert hat. Damit trägt er auch das Risiko von Prognoseabweichungen und entsprechenden Ausgleichsenergiekosten.

"as-forecasted": Der Abnehmer erhält exakt die Menge an Strom, die vom Produzenten üblicherweise einen Tag vor Lieferung prognostiziert wurde. Das erhöht die Planbarkeit und verlagert das Ausgleichsenergierisiko auf den Lieferanten. Allerdings bleibt der Abnehmer auch hier mit den üblichen Schwankungen der Erzeugung aus Erneuerbaren Energien konfrontiert.

Als Band: Die Bandlieferung vermeidet das Problem von üblichen Schwankungen der Erzeugung. Dabei wird das ganze Jahr über eine konstante Strommenge zur Verfügung gestellt. Die Differenzen zwischen der tatsächlichen Erneuerbaren-Erzeugung und der Liefermenge wird dabei vom PPA-Anbieter ausgeglichen.

Die Laufzeit des PPAs

Zuletzt stellt sich die Frage, welche Laufzeit für das PPA gewählt werden sollte. Die meisten PPA-Verträge haben eine relativ lange Laufzeit von 10 bis 15 Jahren. Vor allem bei Neuanlagen-PPAs benötigen die Anbieter eine lange Vertragslaufzeit, um überhaupt Finanzierungen für ihre Projekte zu erhalten. Allerdings werden auch deutliche kürzere Zeiträume zum Beispiel für Post-EEG-Lösungen vereinbart.

Der Weg zum eigenen PPA – Schritte zur Implementierung

Ein PPA kann nicht spontan abgeschlossen werden – eine sorgfältige Planung ist essenziell.

  1. Bedarf und Zielsetzung analysieren

Unternehmen sollten ihren aktuellen und zukünftigen Energiebedarf analysieren, um die passende PPA-Strategie zu entwickeln.

  1. Passenden PPA-Typ auswählen

Die Wahl zwischen einem physischen oder synthetischen PPA hängt von den individuellen Anforderungen und der Infrastruktur des Unternehmens ab.

  1. Partner und Anbieter finden

Ein vertrauenswürdiger Stromanbieter oder Projektentwickler ist essenziell. Unternehmen sollten auf Bonität, Erfahrung und Vertragsbedingungen achten.

  1. Vertragsverhandlungen und Risikomanagement

Ein wichtiger Aspekt bei der Implementierung eines PPA ist die Entwicklung geeigneter Risikomanagement-Strategien. Unternehmen sollten verschiedene Szenarien durchspielen und Absicherungsmechanismen in den Vertrag integrieren, um sich gegen unvorhergesehene Entwicklungen zu schützen. Dies kann die Einbindung von Preisanpassungsklauseln, Flexibilitätsoptionen oder die Zusammenarbeit mit spezialisierten Energiedienstleistern umfassen, die bei der Optimierung des Stromportfolios unterstützen.

  1. Umsetzung und Risikomanagement

Nach Vertragsabschluss ist eine kontinuierliche Überwachung des Strombezugs und der Marktbedingungen notwendig, um die Effizienz des PPAs zu gewährleisten.

Quellen